Zu Besuch im „Danni“

Zu Besuch im „Danni“

29. November 2020 1 Von mamalangsam

Wir waren im Dannenröder Forst. Dieser gute, intakte Wald soll zerstört werden, um eine Autobahn weiterzubauen. Dieses Vorgehen finden wir fraglich. Auch weil die Rodung die Wasserversorgung von vielen Menschen gefährden könnte, wie wir erfahren haben. Aber wir wollen hier gar keine Argumente bringen, sondern euch einfach nur ein wenig von unseren Erlebnissen weitergeben. Und nein, wir haben uns kein Baumhaus eingerichtet, sondern liefen ganz friedlich bei einer Familiendemo mit.

Von fröhlicher Pippi Langstrumpf – Musik begleitet liefen wir los, vorbei an den Camps. Dort hingen Seile an Bäumen, an denen das Klettern geübt wurde, um sicherer zu werden, wenn man die Bäume besetzt. Auf einer großen Wiese am Waldrand waren massenweise Zelte aufgebaut. Es gab ein Lagerfeuer und viele, viele Leute. Es war eiskalt und wir fragten uns, wie sie hier die Nächte überleben. Wir waren beeindruckt davon, was die Aktivisten dort aufgebaut haben. Alles schien so gut organisiert zu sein, um dort regelrecht „leben“ zu können. Es gab eine „Küche für alle“, wo jeder kostenlos essen durfte. Die Lebensmittel stammten vom „Containern“ und aus Spenden von Restaurants oder Privatleuten. Mehrmals wurde uns im Laufen Tee angeboten. Wir fühlten uns willkommen und hatten den Eindruck, sie freuten sich über die Unterstützung. Es schien alles friedlich zu sein. Dann gab`s eine Kundgebung. Es wurde kindgerecht erklärt, warum dieser Wald erhalten bleiben sollte und auch größere Kinder erhoben ihre Stimme. Eine Frau mit Akkordeon sang Kinder- und Weihnachtsmelodien mit veränderten, passenden Texten zum „Danni“. Hier waren sich alle einig: „Danni bleibt!“. Die Politik sah das allerdings anders und die Rodungsarbeiten haben bereits begonnen. Wir überlegten, ob wir dort noch hingehen. Ein Freund hing dort seit 5 Uhr morgens im Baum… oder auch nicht mehr? Aber: uns war zu kalt, bzw. den Kindern. Wir waren 1,5 km von dem Ort entfernt, das packten wir nicht mehr. Wir beschlossen zu gehen.

Für unsere Kinder war es eine ganz neue Erfahrung mitzubekommen, dass Klimaschutz ein Streitthema ist. Zuhause bekommen sie das nicht so mit, da treffen ja keine Fronten aufeinander, da versuchen wir es einfach zu leben. Aber dort war nun nicht mehr klar, welche Rolle die Polizei oder die sonst so „coolen“ Bagger (zumindest in den Augen von Jungs) einnehmen.

Aber es war gut hinzufahren. Wenn es auch dem Wald vielleicht nicht viel geholfen hat. Es war gut, mit eigenen Augen zu sehen, wie sich Menschen einsetzen. Ja, manches davon ist schwierig zu bewerten. Und manches können wir auch nicht richtig einschätzen. Aber sich friedlich an einen Baum zu hängen, um zu verhindern, dass er gefällt wird, finden wir voll ok. Danke Leute, dass ihr das macht!

„Bevor der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet ihr verstehen, dass es nicht darum geht, morgens ohne Stau zur Arbeit zu kommen“ (stand auf einem Plakat…)

„Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.“

Psalm 104,24