Als Mutter zu Hause

Als Mutter zu Hause

29. Januar 2021 4 Von mamalangsam

Lange habe ich nachgedacht, wie ich diesen Beitrag schreibe und benenne. Nein, hier gehts nicht um die aktuelle Situation, in der wir alle zu Hause sind. Es geht darum, als Mutter nicht für Geld arbeiten zu gehen und eben „zu Hause“ zu bleiben. So wie ich, Mama Langsam. Das Wort „Hausfrau“ mag ich nicht, denn für putzen und kochen versuche ich so wenig Zeit wie möglich aufbringen zu müssen. Familienmanagerin trifft es da schon eher, das nimmt aber irgendwie gefühlt niemand ernst.

Mit diesem Beitrag möchte ich den Müttern, die nicht arbeiten gehen, eine Stimme geben. Denn diese sind in der heutigen Gesellschaft ganz leise und stehen weit abseits. Zumindest die, die es aus freiem Willen und gerne so machen. Mir scheint es manchmal, als wären diese emanzipierter, weil sie eine ungewöhnliche und freie Entscheidung treffen und glücklich damit sind, als jene, die wieder arbeiten gehen, weil man das halt so macht, aber eigentlich sehr unglücklich und gestresst damit leben. Vielfalt – so ein modernes Wort – bedeutet doch auch in dieser Hinsicht, dass die Frau selbstbestimmt entscheiden sollte…

Mit diesem Beitrag möchte ich niemandem auf die Füße treten, weiss ich doch, dass die meisten nicht so leben wie wir. Darüber möchte ich nicht urteilen, denn jede Familie und jede Mutter ist anders. Ich habe mir selbst ein paar Fragen gestellt. Solche, die immer unausgesprochen im Raum stehen, wenn ich jemandem erzähle, dass ich nicht arbeite….

Warum arbeite ich nicht?

Die Abwägung arbeiten zu gehen und meine Kinder dafür vermehrt in Betreuung zu geben, kam für uns nie in Frage. Denn es gibt sovieles, was ich dann nicht mit meinen Kindern erleben würde. Das gemeinsame tägliche Mittagessen, die entspannten Nachmittage, spontan mal einen Tagesausflug machen, die Kinder solange zu Hause lassen zu können, bis sie wirklich gesund sind und von den Vorteilen im Lockdown muss ich wohl gar nicht erst anfangen.

Ausserdem arbeite ich ja, aber eben nicht für Geld. Da unsere Kinder nur ca. 3 Stunden täglich fremdbetreut werden, bin ich quasi 21 Stunden pro Tag Erzieherin. Auch dazu muss ich nicht mehr schreiben, denn ich denke, ihr wisst, was sonst alles anfällt. Was in dem Zusammenhang noch erwähnenswert ist, ist die ehrenamtliche Arbeit. Diese ist kaum möglich, wenn man voll arbeitet. Dabei ist sie gesellschaftlich so wichtig.

Fühle ich mich deshalb nicht gleichberechtigt?

Nein, im Gegenteil. Ich bin gerne Mutter und Ehefrau, denn das ist ein Teil meiner Identität, die ich voll ausleben möchte und der ich auch mit all ihren Aufgaben gerecht werden möchte. Ich bin dankbar, dass Papa Langsam sich jeden Tag die Mühe macht zu arbeiten und uns „durchbringt“. Im Gegenzug schätzt er meine Arbeit zu Hause.

Mache ich mir keine Sorgen, weil ich finanziell von meinem Mann abhängig bin?

Nein, denn wir sind eine Familie. In guten wie in schlechten Zeiten. Klingt vielleicht naiv heutzutage, aber versprochen ist versprochen. Ausserdem habe ich einen gelernten Beruf, in dem ich im Notfall arbeiten könnte und ich wäre mir auch sonst für kaum einen Job zu schade, würden irgendwelche Missstände eintreten, die es erfordern, dass ich arbeite. Aber alleine um finanzielle Unabhängigkeit zu bekommen, wäre es mir nicht wert, unser Familienmodell in Frage zu stellen.

Wie können wir uns das leisten?

Aller Reichtum ist es uns nicht wert, dass wir uns weniger sehen und in Gefahr laufen uns unter selbstgemachten Stress zu setzen. Papa Langsam verdient Geld. Das muss reichen. Dafür sparen wir gerne an Urlaub, Auto, Anschaffungen, das passt sowieso zu unserem nachhaltigen Lebensstil. Ja, es ist ein Privileg, dass wir so leben können, dass wissen wir. Aber wir erleben auch, dass es für die meisten ein Unding ist, sich finanziell zurückzunehmen, selbst wenn sie es könnten. Das ist dann einfach eine Sache der Prioritäten und manche schaufeln sich ihr Grab auch selber, denke ich manchmal. Aber was wäre, wenn sich der Ausstieg aus dem Hamsterrad vielleicht doch lohnen würde?

Ist mir nicht langweilig?

Ich bin nun schon einige Jahre „zu Hause“. Langweilig wird mir nie. Im Gegenteil, denn die Kinder wachsen und kommen in immer neue Phasen. Immer gibt es etwas neues, was man sich einfallen lassen kann, um ihnen ein Stück weiter im Leben zu helfen und selbstständiger zu werden. Und Herausforderungen gibt es natürlich auch, die wir dann mit der nötigen Muße angehen können. Aber wie bei jeder anderen Arbeit auch, ist es natürlich gut, wenn „Hausfrau“ sich einen Ausgleich schafft, eine Auszeit im Alltag von Haus und Familie, sei es ein Hobby, Ehrenamt oder sonst was.

„…Wir hatten einmal Besuch von einem 5-jährigen Kind, dass noch nie Pfannkuchen zu Hause gegessen hatte. Ihre Mutter arbeitet und kocht daher immer nur am Wochenende für sie….“